One day in my life – im Interview mit Andreas

Interview Andreas

Es gibt viele Möglichkeiten als Webmaster Geld zu verdienen und sich auf dem neuesten Stand zu halten. Einige lassen sich von Partnerprogrammen beraten und coachen, andere tauschen sich in Foren oder auch auf Meetings aus und wieder andere machen alles ganz allein. Andreas gehört zu denen, die sich alles selbst beigebracht haben und auch sonst nicht öffentlich in Erscheinung treten. Und damit hat er auch Erfolg – wie immer führen halt viele Wege ans Ziel.

Hallo Andreas, danke, dass du dich zum Interview bereit erklärt hast. Stell dich doch zuerst einmal vor: Wer bist du, was genau machst du und wie lange bist du schon in der Branche?

Hallo, wie schon zu lesen ist heiße ich Andreas, bin 38 Jahre alt und wohne im schönen Hannover. Als Webmaster in der Adult-Branche bin ich seit 2002 tätig. Seit dieser Zeit bewerbe ich verschiedene Partnerprogramme und habe auch zwei Projekte, die ich unabhängig von anderen Anbietern führe.

Wie bist du dazu gekommen, mit Erotik-Webseiten dein Geld zu verdienen. Gab es da einen bestimmten Auslöser für oder bist du eher in die Branche “hinein geschlittert”?

Es gab da schon einen Auslöser für. Ich war damals schon ein Jahr arbeitslos, hab mir die Finger mit Bewerbungen blutig geschrieben und dann wurde meine Freundin auch noch schwanger. Hey, das ist echt kein tolles Gefühl für einen Mann wenn er weiß, er kann seine Familie nicht ernähren. Es sah also ziemlich mies aus bei mir. Im  Fernsehen sah ich dann zufällig eine Reportage, in der nebenbei erwähnt wurde, dass man mit Erotikseiten im Internet Geld verdienen kann. Da ich schon immer eine große Affinität für Computer und so hatte, hab ich dann mal ein wenig herum geschaut, bin auf verschiedene Websites und auf das Jagin-Forum gestoßen und so fing es an.

War es leicht, den Einstieg in die Branche zu schaffen? Es war ja bei dir dann doch etwas Druck dahinter, Erfolg zu haben.

Leicht war es nicht. Klar, damals konnte man den Kunden noch leichter etwas andrehen, aber ich hatte ja null Ahnung, wie man eine Website baut und wie man Partnerprogramme einsetzt. Ich hab also die erste Zeit Tag und Nacht nur gelesen, was andere darüber geschrieben haben und mich dann hingesetzt und mit Hilfe von SelfHTML meine erste Website gebaut. Sie sah einfach miserabel aus, aber ich machte meine ersten Umsätze damit. Beworben habe ich übrigens anfangs Livecams. Da der Druck tatsächlich groß war, hab ich mich richtig da rein gehängt und wirklich viel gelesen, ausprobiert und dabei eine Menge Fehler gemacht und noch mehr gelernt. Nach ca. einem Jahr, meine kleine Tochter war schon auf der Welt und brachte mich jede Nacht um den Schlaf, verdiente ich so viel mit meinen damals 8 Websites, dass ich meine kleine Familie ernähren konnte. Klar, große Sprünge waren nicht drin, aber wir kamen über die Runden.

Wie ging es dann für dich weiter?

Im Endeffekt hab ich dann noch ein Jahr gebraucht, bis ich soweit war, dass ich unabhängig von anderen etwas auf die Beine stellen konnte. Damals gab es hier und da Probleme mit Partnerprogrammen, die plötzlich verschwanden und ich verlor meine Provision. Ich überlegte lange, wie ich solche Ausfälle möglichst gering halten konnte und plante mein erstes vollständig eigenes Projekt. Über einen Kumpel, der in der Fetisch-Szene unterwegs war, kam ich auf das Thema Fußfetisch und informierte mich darüber. Bald schon fand ich Anbieter, die Videos zum Thema verkauften bzw. auch vermieteten und mit meiner Freundin machte ich viele Bilder-Serien, später standen mir auch viele Freundinnen von ihr Model und so entwickelte sich mein erstes eigenes Projekt. Die Nische lief gut, sie läuft auch noch heute. Aber ich glaub mein Geheimnis lag darin, dass ich einfach ehrlich gegenüber meinen Kunden war. Ich hab ihnen nichts versprochen, was ich nicht halten konnte und ihre Reaktionen zeigten mir, dass sie keine 1000e Bilder und Videos brauchten, sondern vielmehr eine Website, die auf ihre Wünsche eingeht und einen gewissen Charme hat.

Du bist ja nun doch schon einige Jahre dabei. Macht es dir noch immer Spaß als Webmaster zu arbeiten?

Tja, gute Frage. Im Allgemeinen macht es mir noch großen Spaß. Ich bin selbständig, muss mir von keinem sagen lassen, was ich wann zu tun hab. Und ich hab einen Job, der mich jeden Tag aufs Neue fordert. Aber alles hat zwei Seiten und so möchte ich auch nicht verschweigen, dass es auch Tage gibt, an denen ich einfach keinen Bock mehr hab. Wenn Google mir mal wieder böse mitspielt, die Stornoquote in die Höhe geht oder man einfach mal wieder 18 Stunden vor dem Rechner sitzt, weil man etwas unbedingt noch fertig bekommen will, frag ich mich schon ab und an, warum ich mir das antue. Aber doch, es macht mir Spaß und ich kann mir nicht mehr vorstellen irgendwo angestellt zu sein. Auch die Branche passt. Meine Freundin hat zum Glück kein Problem damit und ich lerne täglich mehr über die Menschen und ihre “Abgründe”

Webmaster arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise. Wie sieht bei dir ein normaler Tagesablauf aus?

Früher war ich da recht chaotisch, hab einfach gemacht, was mir gerade eingefallen ist. Irgendwann hab ich dann erkannt, dass das Bullshit ist. Ich hab sehr viel Zeit am PC verbracht und dennoch nicht viel voran gebracht. Also hab ich irgendwann meine Arbeit organisiert. Jetzt fange ich morgens um 8 Uhr an, nachdem ich meine Tochter zur Schule gebracht hab. Dann arbeite ich bis ca. 17 Uhr, nehme mir dann Zeit für die Familie und setze mich von 22 – 24 Uhr noch mal an den Rechner. Was ich mache, plane ich voraus. Ich hab also Monats-, Wochen- und Tagespläne. So arbeite ich wesentlich effizienter. Natürlich kommt auch mal was dazwischen und dann lasse ich die Familienzeit aus und arbeite einfach durch, aber ich bemüh mich, dass das eher Ausnahme als die Regel ist.

Webmaster, die allein von zuhause aus arbeiten, tauschen sich gern über Messanger oder Foren online aus oder treffen sich bei verschiedenen Gelegenheiten auch offline. Wo findet man dich ?

Nirgends. Natürlich hab ich Accounts bei den gängigen Foren, aber ehrlich gesagt, schau ich da höchstens einmal die Woche herein. Ich bin ein richtiger Einzelkämpfer, halte nicht viel davon, meine Arbeit mit anderen zu diskutieren. In den Foren ist es leider nicht selten, dass versucht wird, Leute runter zu machen. Da steh ich nicht drauf. Ich mach mein Ding, verdiene damit Geld und muss es vor niemandem rechtfertigen. Außerdem arbeite ich lieber, als mir die Zeit in Foren zu vertreiben. Wenn ich sehe, wie viel da manche Leute schreiben, frag ich mich, wie sie überhaupt noch Zeit zum Geld verdienen finden. Aus demselben Grund sieht man mich auch nicht auf irgendwelchen Treffen. Über die Jahre haben sich mehr durch Zufall Kontakte zu ganz wenigen anderen Webmastern ergeben, die ich auch pflege – aber oft sind das nicht mehr als 2-3 Mails oder Telefonate im Monat und das reicht mir auch aus.

Wie läuft bei dir die Zusammenarbeit mit Partnerprogrammen? Bist du mit der Betreuung, die du als Webmaster bekommst, zufrieden?

Auch hier bin ich eher Einzelkämpfer. Ich habe nirgends meine Telefonnummer angegeben und kommuniziere wenn überhaupt nur per Mail. Newsletter von Partnerprogrammen sind okay, um zu sehen, was es Neues gibt, aber mehr Betreuung als das brauch ich nicht. Über die Jahre lernt man ja die Programme mit ihren Schwerpunkten kennen und wenn ich etwas brauch, weiß ich auch, wo ich danach suchen kann. Freecontent und ähnliches benötige ich auch nicht, ich setze da lieber auf Content, den nicht jeder zweite Webmaster auf seinen Seiten hat und investiere da halt etwas Geld, was sich aber auch auszahlt. Werbemittel nutze ich auch nur selten fertige. Lieber bau ich selbst, das gilt für Designs genauso wie für Banner etc. Die sind dann vielleicht nicht ganz so stylisch, aber ich weiß inzwischen genau, wo meine Besucher gut klicken und was sie zum Kaufen bringt, also bleib ich dabei.

Da hier auch einige Partnerprogramm-Anbieter mitlesen: Was würdest du dir von einem für dich perfekten Programm wünschen?

Puh, schwere Frage. Wie ich schon schrieb, mach ich eh das meiste selbst, um mich einfach aus der Masse und dem Einheitsbrei abzuheben. Vielleicht wäre auch genau das mein Wunsch: Man sollte den Webmastern mal wieder mehr Eigenständigkeit beibringen. Support ist ja gut und schön und sicher auch wichtig, aber die Webmaster haben oftmals verlernt, was ihre eigentliche Arbeit ist. Sie bekommen alles fertig vorgesetzt und tauschen dann vielleicht noch ein paar Links, das wars auch schon. Für mich gehört mehr dazu und ich denke, wenn viele so denken würden, würde es auch wieder mehr Qualität geben. Also liebe Programmbetreiber: Erzieht eure Webmaster zur Selbständigkeit. Wer 50% kassiert, kann dafür auch ein bisschen was tun.

Und was möchtest du der Branche allgemein mitteilen? Hier ist Platz und die Gelegenheit dazu.

Besinnt euch mal wieder auf die Anfänge zurück. Alle versuchen heute nur noch, möglichst wenig zu tun und dabei gut zu kassieren. Aber das funktioniert nicht und vertreibt die Kunden nur. Klar, das ist eigentlich die Sache eines jeden einzelnen. Aber die Kunden, die ihr mit dem Einheitsbrei, Spam und falschen Versprechen vertreibt, werden allgemein zögern, irgendwo noch mal zu kaufen. Und somit macht es das auch  zu meinem Problem. Also strengt euch mehr an. Baut mal wieder richtige Websites, verzichtet auf Autoblogs, Autosummiter, Spambots und was es da noch so alles gibt. Ihr werdet sehen, das klappt. Auch wenn es mehr Arbeit ist. Am Ende des Tages weiß ich dann aber, wofür ich mein Geld bekommen hab und hab auch noch ein gutes Gefühl dabei. Ich denke, über kurz oder lang wird sich der Markt aber eh selbst bereinigen und übrig bleiben die, die ehrlich arbeiten. Das gilt für Webmaster genauso, wie für Programme.

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